Ich hatte eine Zeit lang ein kleines Ritual: Auf Bahnhöfen oder Flughäfen kaufte ich mir das Yoga Journal.
Auf dem Backcover befand sich dann immer die gleiche Anzeige von Yoga Vidya.
Etwas altbacken. Sie sprach mich nie an.
Eines Tages aber, zeigte die Rückseite eine ansprechende bunte Werbung für das Xperience Festival. Mit 70+ internationalen Acts, 120+Yogastunden & Workshops sowie 17+ Konzerten.
Die Anzeige funktionierte bei mir. Ich kaufte mir ein Ticket. Und war total neugierig auf mein erstes Yogafestival-Xperience.
Alleine fuhr ich mit dem Zug nach Horn – Bad Meinberg. Randgebiet Teutoburger Wald. Es ist jener Ort, wo Yoga Vidya sein Headquarter und Ausbildungszentrum, inklusive Ashram hat.
Das große Gebäude, ein ehemaliges Klinikgelände, meide ich eher. Wie bei der Werbung. Es spricht mich nicht an. Später sollte eine viel beachtete Dokumentation auch die Schattenseiten des größten deutschen Yoga-Anbieters enthüllen.
Das Festivalgelände dagegen ist farbenfroh und liebevoll dekoriert. Es erstreckt sich draußen um das große grüne Gelände herum.
Auf der Wiese baue ich mein Zelt auf. Alle Menschen strahlen mich hier an. Laut Festivalordnung sind Alkohol und Drogen nicht erlaubt. Für die Hardcore-Yogis sind beispielsweise auch Kaffee und Knoblauch hier verboten. Weil sie als rajasisch also unruhestiftend bzw. als tamasisch sprich abstumpfend angesehen werden.
Zugegeben: Ich war anfangs etwas skeptisch. Doch es werden wirklich schöne Sommertage.
Ich entspanne bei Yin-Yoga mit Tanja Seehofer und gehe zur Healing Session mit Lucie Beyer. Ich besuche Workshops von Rebellion Extinction zum Thema Nachhaltigkeit und Aktivismus und schaue mir danach vegane Kochshows an. Ich erlebe die deutsche Raplegende Curse und tanze ausgiebig auf den verschiedensten Konzerten. Stimmung mega. Alle sober.
Mein Lieblingsort ist aber die gemütliche Kaffee- & Tee-Ecke. Umgeben von exotischen Aromen, konnte ich mich bisweilen von dem Druck lösen, noch mehr Programmpunkte zu besuchen. Stattdessen flagge ich mich auf die gemütlichen Kissen. Schaue ins weite Rund. In die Gesichter vieler glücklicher Menschen.
Und wenn ich will, begegne ich ihnen.
Beim Yoga. Beim Workshop. Beim Tanzen.
Und beim exotischen Kaffee trinken.
Wirklich eine schöne Xperience!
