Auf dem Weg zu meiner Unterkunft laufe ich auf der Via Sant’Isaia an einem Cáfe mit großen Fenstern vorbei. Es ist die Bar Antico Cáffe Viola.
Ich laufe nochmal zurück. Und trete ein.
Ich bestelle mir ein Panini und wahrscheinlich ein Espresso. An einem runden Tisch mit Blick zur Türe nehme ich Platz.
Es dauert nicht lange und zwei junge Frauen betreten das Cáfe mit hohen decken und prächtigen Kronleuchtern. Sie setzen sich rechts vor mir an einen Tisch und legen jeweils ihre Einwegkameras darauf. Sie haben jeweils die gleiche wie ich.
Etwas perplex von dem was ich sehe, ziehe ich ebenfalls meine Einwegkamera aus meinem Turnbeutel. Und nehme Kontakt auf.
Irgendwas wie: „Seht her, ich habe auch eine Einwegkamera!“, werde ich wohl gesagt haben.
Viola, mit ihrem Namen genau im richtigen Cáfe, und Fatima laden mich sofort an ihren Tisch ein. Mit jetzt drei Einwegkameras auf der Tischoberfläche.
Die beiden kommen aus Rom und kennen sich von der Oberschule. Viola hat gerade begonnen Film an der Universität La Sapienza zu studieren, ihre Freundin Fatima jobt in einem Supermarkt. Die beiden teilen mit mir ein Filmskript für einen Kurzfilm. Sie versuchen mir den Inhalt lebhaft zu erklären und fragen, was ich davon halte. Ehrlich gesagt, steige ich nicht ganz durch. Biete den engen Freundinnen aber an, mir das Drehbuch zu schicken.
Während die beiden ihren Tee trinken, haben wir eine lebhafte Unterhaltung und lachen viel. Ganz besonders, als Fatima Videos zeigt, auf denen sie Animationsfilme einspricht. Synchronsprechen und Theater sind zwei große Leidenschaften von ihr. Sie ist immer noch verliebt in beides. Außerdem erzählt sie mir von ihrer fiktionalen Biographie, die sie im letzten Jahr ihrer Schulzeit geschrieben hat. Als wir uns treffen, arbeitet sie gerade am Cover.
Für zwei Nächte haben sich Viola und Fatima in Bologna ein Apartment gesucht. Sie brauchen eine kleine Pause und etwas Zeit ihr Leben zu reflektieren. Und bisher haben sie in der Universitätsstadt mit ihrer Kamera schöne Momente eingefangen. Das Cáfe ist ihre letzte Station, bevor sie wieder mit dem Zug Richtung italienische Hauptstadt fahren. Bevor auch ich weiter muss, bitte ich die beiden noch um ein gemeinsames Foto.
Im Dreieck drücken wir gemeinsam auf den Auslöser. Eins. Zwei. Drei. KLICK!
„Ich glaube es ist wunderschön, zu realisieren wie viele Künstlerpersönlichkeiten es da draußen gibt. Reisen ist einer der besten Möglichkeiten, Menschen zu begegnen und deine Projekte mit ihnen zu teilen. Alles kann mit einem simplen, zufälligem Gespräch mit einem Fremden in der Bar beginnen“, schreibt mir Viola ein Jahr nach unserer Begegnung.
Und Fatima: „Im letzten Jahr bin ich gereist, dabei wurde mir vieles bewusst, bin neuen Menschen begegnet und habe mich stark verändert. Heute studiere ich Psychologie in Perugia, weil mich die forensische Psychologie interessiert“.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich drei Menschen, eine davon Viola, mit Einwegkamera im Cáfe Viola in der siebtgrößten Stadt Italiens begegnen?
An fotogenen Tagen: Wahrscheinlichkeit hoch³.
